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Vortrag "Universitäten unter Stress: Zur Krise demokratischer Denk- und Lebensformen in Europa und den USA"

  Vortrag

Präsenzveranstaltung

16:15 Uhr

Universität des Saarlandes

Gebäude C 7 4, Raum 1.17

Vortrag/Diskussion mit Prof. Dr. Till van Rahden (Université de Montréal)

Abstract:
Welche spezifische Rolle spielen Universitäten in einer Demokratie? Wie können sie dazu beitragen, die kulturellen und sozialen Voraussetzungen der Demokratie zu entwickeln, zu pflegen und zu stärken? Auf welche Weise bieten Universitäten die Chance, demokratische Haltungen, Denk- und Lebensformen einzuüben?
Seit etwa fünfzig Jahren orientiert sich die europäische und amerikanische Wissenschaftspolitik zunehmend an der Logik von Wettbewerb, Exzellenz und Effizienz, um die gesellschaftliche Relevanz von Hochschulen zu begründen. Auf beiden Seiten des Atlantiks gelten forschungsstarke Universitäten als Quelle der technischen Innovation, des Wirtschaftswachstums, der Ausbildung und des gesellschaftlichen Wohlstands. Der Rückgriff auf solche utilitaristischen Argumente bietet sich an, um der Kritik rechtspopulistischer Parteien entgegenzutreten, kosmopolitische Eliten würden die Universitäten prägen.
In den drei Jahrzehnten nach dem Zusammenbruch faschistischer Diktaturen dagegen galten amerikanische wie europäische Universitäten als eine tragende Säule der Demokratie. Robert Hutchins etwa, der langjährige Präsident der University of Chicago, betonte 1952, ihre Aufgabe bestehe nicht allein in Forschung und Lehre. Wichtiger noch sei die ethische Reflexion, die Erfahrung der demokratischen Erziehung und der lebendigen Intellektualität als Voraussetzung des demokratischen Denkens. Bis in die späten siebziger Jahre konnten sich Universitäten auf eine großzügige staatliche Grundfinanzierung verlassen. Aus Sicht der Politik wie der Öffentlichkeit galten sie als ein zentraler Ort, um Haltungen, Denk- und Lebensformen einzuüben, die es den Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, mit Unsicherheit, Ambiguität und Ambivalenz zu leben.

Mit Prof. Dr. Till van Rahden (Université de Montréal), einem der profiliertesten Beobachter demokratischer Lebensformen im transatlantischen Vergleich, fragt der Vortrag danach, wie Universitäten in Europa und den USA unter Druck ihre Rolle als Orte demokratischer Bildung, Debatte und Science Diplomacy neu behaupten können

2. Veranstaltung in der Reihe “Europa-USA: Stresstest der Beziehungen”

Die transatlantischen Beziehungen stehen derzeit vor einem tiefgreifenden Stresstest. In einer Zeit geopolitischer Umbrüche, wirtschaftlicher Unsicherheiten und kultureller Spannungen widmet sich die Veranstaltungsreihe Europa–USA: Stresstest der Beziehungen drei zentralen Themenfeldern: den Herausforderungen der gemeinsamen Sicherheitspolitik, den verschärften Dynamiken im Handel und in der Wirtschaft sowie den weichen Machtfaktoren von Kultur, Diplomatie und Sport. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Europa seine strategische Rolle neu definieren, eigene Handlungsspielräume ausbauen und seine Position in einem zunehmend asymmetrischen Verhältnis zu den USA behaupten kann.

Im Kontext der transatlantischen Spannungen rückt auch die Rolle zentraler demokratischer Institutionen auf beiden Seiten des Atlantiks in den Blick – insbesondere die der Universitäten. Der nächste Vortrag in dieser Reihe widmet sich daher den Herausforderungen, vor denen amerikanische und deutsche Hochschulen als Orte demokratischer Bildung, Reflexion und transnationaler Science Diplomacy heute stehen.

Anmeldung erbeten unter: anmeldung(at)dai-saarland.de.

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